Ernährung

Die Ernährung der einfachen Leute

Das Hauptnahrungsmittel für Bauern und arme Handwerker war Getreide. Die Sorte Brot, die das einfache Volk sich leisten konnte, bestand aus unterschiedlichen grob vermahlenen Mehlsorten mit Beimischungen von Kleie, Steinchen, Hafer, Bucheckern, Eicheln usw.
Die etwas bessere Sorte Brot für Bürger und besser gestellte Handwerker war zwar auch eine Mischung aus unterschiedlichen Mehlsorten, aber nicht ganz so grob gemahlen. Feines Weizenbrot konnten sich nur wirklich reiche Leute leisten.
Ausser Brot aßen die armen Leute, von denen die meisten keinen eigenen Backofen hatten, auch einfach eingedickten Getreidebrei.

Gemüse galt als typische Arme-Leute-Speise, die nicht besonders sättigend war. Das, was die Bauern in ihren eigenen Gärten anbauten wie Kohl, Rüben, Zwiebeln, Lauch und Hülsenfrüchte, stellte einen großen Teil ihrer täglichen Nahrung dar. Bauern wurden oft spöttisch als "Kraut- und Rübenfresser" bezeichnet, daran sieht man, welches Ansehen diese Feldfrüchte hatten.
Die meisten Bauersfrauen hatten den ganzen Tag einen Kessel über dem Feuer in ihrem Haus hängen, in dem eine Art dicker Eintopf vor sich hin kochte. Dieser wurde immer wieder ergänzt mit Gemüse und Kräutern aus dem Garten. Geleert oder gereinigt wurde der Topf so gut wie nie.
Garten
Garten
Obwohl auf vielen Bauernhöfen Obst von den Bäumen geerntet wurde, mussten die Bauern einen großen Teil davon an ihre Lehnsherren abführen. Trotzdem blieben ihnen Äpfel, Birnen, Pflaumen usw. je nach Saison. Obst wurde generell nicht roh gegessen, sondern mit Essig und Gewürzen zerkocht, weil rohes Obst als ungesund galt.
Honig war als Süßungsmittel für jedermann greifbar, denn es war einfach und nicht teuer selbst ein paar Bienenstöcke zu halten. Zucker konnten sich Bauern noch sehr lange Zeit nicht leisten.
Honig
Honig

Beim Fleisch kam es darauf an, welche Zeit im Jahr es gerade war. Direkt nach der Schlachtung konnte ein Bauer mit seiner Familie lange Zeit von einem einzigen Schwein leben. Bis zum Kopf, den Füßen und dem Schmalz wurde alles verwendet. Besonders Speck, Lunge, Niere und Würste waren das Fleisch für die Armen. Auch Schaf- und Ziegenfleisch war für Bauern zugänglich, aber kaum Geflügel und Wild, denn das war wieder für Hochadel und Geistliche reserviert.

Pieter Aertsen, Marktszene 1551
Pieter Aertsen, Marktszene 1551

Das einfache Volk würzte mit einheimischen Kräutern wie Petersilie, Minze, Dill, Anis und Kümmel. Importgewürze gehörten nur den hohen Ständen.
Bei den Getränken kamen bei den Bauern vor allem Wasser, Bier, Obstwein und Met auf den Tisch. Das Wasser war normalerweise alleine nicht genießbar und wurde deshalb oft mit Obstsaft und dünnem Wein vermischt. Der Wein war im Gegensatz zu dem des Adels sauer und von schlechter Qualität.

Weil die Konservierungsmethoden nicht so gut wie heute waren, gab es weniger Importe. Außerdem kamen Missernten, Hungersnöte und viele kirchliche Fastenzeiten hinzu. Also kann man sich die Ernährung der armen Leute doch ziemlich eintönig und wenig abwechslungsreich vorstellen.
Überfluss gab es vor allem an den Festtagen der Adligen, bei denen eine Menge Essbares an die Armen verschenkt wurde.

Die Ernährung reicher Leute

Von der Bauernspeise deutlich abgesetzt war die so genannte Herrenspeise, also das, was nur der Adel und die hohe Geistlichkeit, ab der frühen Neuzeit auch das reiche Bürgertum auf den Tellern hatte. Die Unterschiede bestanden sowohl in der Menge als auch in der Qualität und vor allem in der Vielfalt der Nahrungsmittel. Der gesellschaftliche Status eines Menschen wurde deutlich darin, dass er sich Völlerei und Verschwendung von Nahrungsmitteln erlauben konnte. Je mehr Gänge auf dem Tisch, desto angesehener die Person, und wie aus vielen Quellen hervorgeht, wurde die eigene Macht in protzigen Festbanketten zur Schau gestellt, um andere Adelige und Herrscher zu beeindrucken.

Bei dem Brot der reichen Leute handelte es sich um feines Weizenbrot ohne andere Mehlsorten oder sonstige Beimischungen. Es war genau wie bei den armen Menschen das wichtigste Grundnahrungsmittel. Das Brot wurde in verschiedenen Formen hergestellt und mit einem Siegel oder Zeichen des jeweiligen Bäckers gekennzeichnet.

Gemüse spielte in der Ernährung des Adels keine so große Rolle, denn man verachtete das Meiste, was unter der Erde wuchs. Allerdings wurden einige Gemüsesorten als gesundheitsfördernd und heilend angesehen, z.B. der Spargel, den man vorteilhaft für Verdauung und Potenz einschätzte.

Anders sah es mit Früchten aus, die an Bäumen wuchsen. Diese galten als besonders geeignet für den Adel und machten etwa 10 Prozent der Ernährung aus. Kirschen, Trauben, Feigen, Äpfel, Birnen, Pfirsiche, Nüsse und Mandeln waren sehr beliebt und wurden im Sommer teilweise frisch, aber allgemein vor allem gedörrt und gekocht gegessen. Orangen waren als Importfrucht ein Luxus, den sich nur die Reichsten leisten konnten. Mandeln hatten eine Sonderstellung, denn sie wurden in großen Mengen zu Mandelmilch verarbeitet und für den Großteil aller Süßspeisen verwendet. Typisch war der so genannte "Blancmanger", ein Mandelpudding, der mit zerstoßenen Mandeln, Milch, Reis und Zucker, manchmal aber auch mit Hühnerfleisch zubereitet wurde.

Mit Rohrzucker kamen die ersten Mitteleuropäer während der Kreuzzüge in Berührung, als Kreuzritter in der Ebene von Tripolis "Honigschilf" entdeckten, aus dem die Einheimischen "zucra" herstellten. Später, nach der Entdeckung Südamerikas durch Columbus, wurde Zucker auf Plantagen angebaut und nach Europa importiert, wo er an den Fürstenhöfen bald zum Hit wurde. Zuerst wurde Zucker als Heilmittel in Apotheken verkauft. Dann wurde es Sitte, bei festlichem Essen über so gut wie jede Speise etwas Zucker zu streuen, egal, ob Fleisch, Fisch oder anderes.

Fleisch war bei den Adeligen tägliches Nahrungsmittel. Durch das Jagd- und Fischrecht des Adels hatte man immer Zugriff darauf und beschränkte sich nicht nur auf Wildtiere wie Hirsche, Rehe, Hasen und Wildschweine, sondern aß auch Igel, Eichhörnchen und Kaninchen. Vögel aller Art wurden besonders gerne gejagt oder in Schlingen gefangen und galten als Delikatesse. Schwäne, Enten, Gänse, Straußen, Pfauen, Tauben, Fasane, Wachteln, Reiher, Rebhühner, Drosseln usw. wurden auf verschiedene Arten und Weisen gebraten, gekocht, zu Pasteten verarbeitet, gefüllt und geschmort. Die Fantasie der Küchenchefs kannte keine Grenzen. Bei Festbanketten war es üblich, die Vögel erst zu rupfen, zu braten, dann wieder mit dem Gefieder zu dekorieren und auf großen Platten auszustellen. Das war nicht unbedingt zum Essen gedacht, sondern eigentlich mehr zum ansehen und bewundern.

Aber auch die Haustiere wie Kälber, Schweine, Ziegen und Rinder gaben viel Fleisch für die Reichen her. Im Spätmittelalter entwickelte sich sogar ein transkontinentaler Ochsenhandel, der vom Osten Europas in den Westen und Süden des Abendlandes führte. Aus den Fürstentümern Moldau und Walachei und der ungarischen Tiefebene wurden z.B. jährlich 200 000 Ochsen auf festgelegten Ochsenwegen nach Italien und Deutschland getrieben.

Der Adel aß auch sehr gern Süßwasserfisch. Forelle, Hechte, Karpfen, Barsche und Aale wurden in Seen und Flüssen gefangen, auch gab es schon Forellenzucht in speziell angelegten Teichen. Fisch war das beliebteste Nahrungsmittel der Fastenzeit, wenn das Fleisch verboten war. Daneben gab es in der Fastenzeit auch viele Eiergerichte, denn der Adel musste zwar die Gebote der Kirche einhalten, dachte aber nicht im Traum daran, in der Fastenzeit auf seinen Genuss zu verzichten. Geistliche waren hier eingeschlossen, auch sie lebten verschwenderisch und im Überfluss, wenn ihre Stellung es erlaubte.

Besonders wichtig in der Ernährung der reichen Leute waren die Gewürze. Importgewürze wie Pfeffer, Zimt, Galgant, Muskatnuss, Ingwer, Gewürznelken, Kardamom, Vanille und Safran waren unglaublich teuer und gerade deshalb Statussymbol. Eine einzige Muskatnuss konnte so viel kosten wie 7 schlachtreife Ochsen. Die Gewürze wurden nicht nur zur geschmacklichen Verfeinerung verwendet, sondern auch, um den penetranten Salzgeschmack vorher konservierter Lebensmittel zu übertönen und eben auch, um den eigenen Reichtum deutlich zu machen. Mit einem "Pfeffersack" war ein Kaufmann gemeint, der durch Gewürzhandel zu Reichtum gekommen war. Für unseren heutigen Geschmack waren die Gerichte der Renaissance sicher total überwürzt und teilweise direkt ungenießbar. Vieles erinnerte durch die Zugabe von Zimt und Vanille im Geschmack an unser heutiges Weihnachtsgebäck.

Das bevorzugte Getränk des Adels war Wein. Er war von deutlich besserer Qualität als der einfache Landwein, den die ärmeren Schichten tranken. Der beste Wein wurde aus Frankreich importiert, da man dort im Weinanbau schon am weitesten war. Kaffee und Kakao waren ein Luxus, den sich nur die Reichsten erlauben konnten.

Festmähler der Reichen

Festmahl
Festmahl
Obwohl selbst die alltägliche Ernährung des Adels schon reichhaltig und abwechslungsreich war, gab es immer noch Steigerungen in Form von Festbanketten, die an Protz und Prunk kaum zu übertreffen waren. Hier mussten die Küchenmeister der herrschenden Klasse ihre ganze Kunst zeigen. Während der Renaissance gab es zumindest in Italien, wo die Tradition der Festmähler entwickelt und vervollkommnet wurde, schon berühmte Spitzenköche, die eine Hundertschaft von Küchenpersonal im Griff hatten und in der Lage waren, Bankette für 800 oder mehr Personen auszurichten, die aus 9, 10 oder 20 Gängen bestanden.

Einen Gang darf man sich nicht als ein einziges Gericht vorstellen, sondern als eine Vielzahl kleinerer Gerichte, die gleichzeitig aufgetragen wurden und aus denen sich jeder Gast nur zwei oder drei auswählte, denn so viel konnte kein Mensch essen, dass er alles hätte probieren können, was es bei einem Bankett gab.

Küche
Küche

Die Tischordnung wurde nach Rang festgelegt. Die Reichen saßen auf langen Bänken, die Tische wurden mit Tischtüchern gedeckt, und das Geschirr bestand aus Silber- oder Zinntellern, dazu gab es Silberbecher oder auch kostbare Gläser aus Muranoglas für die Getränke. Wer es sich leisten konnte, ließ sich auch Geschirr aus Gold herstellen. Besteck wurde in Form von Silberlöffeln und Messern oft selbst mitgebracht. Gabeln, die man ursprünglich wegen der Form als Werkzeuge des Teufels ansah, setzten sich in Italien erst im 16. Jahrhundert allmählich durch.
Außerdem standen Fingerschalen zum Reinigen der Hände auf den Tischen bereit, denn viele Speisen wurden immer noch mit den Fingern gegessen.
Am Ende der Tafel saßen die am wenigsten angesehenen Personen, die oft sogar nur noch die Reste der Herrscher oben am Tisch serviert bekamen.

Festmahl - Bartolomeo Scappi(1570)
Festmahl - Bartolomeo Scappi(1570)
Vor Beginn des Banketts erschien ein Diener vor dem Landesherrn und informierte ihn, dass alles bereit wäre. Darauf gab der Herrscher das Zeichen zum Beginn des Essens. Alle wuschen sich noch einmal die Hände in den dafür vorgesehenen Schalen und dann wurden nach und nach die Gänge hereingetragen und den Gästen präsentiert. Die Bedienten mussten darauf achten, dass auf allen Tischen genug zu essen vorhanden war und jeder an das herankam, was er haben wollte.
Die Dekoration spielte eine viel größere Rolle als heute, denn der Gastgeber wollte ja seine Gäste mit dem Überfluss beeindrucken. Also wurden Figuren und Bilder aus dem Essen geformt, es wurde gefärbt, vergoldet, geschmückt. Lebende Tiere, die z.B. aus einer riesigen Pastete oder einer Burg aus Teig kletterten oder flogen, waren immer ein Hingucker. Ganze Skulpturen aus Zucker, Nougat oder Marzipan wurden aufgebaut.

Begonnen wurden Bankette oft mit leichten Speisen wie verschiedenen Suppen, um den Appetit anzuregen. Dann folgten Pasteten, Geflügel- und Fleischgerichte, später auch Fische. Für die großen Braten gab es Tranchiermeister, die mithilfe von sehr scharfen Messern, das Fleisch geschickt in Scheiben und Stücke zerlegten. Die besten Tranchiermeister beherrschten sogar das Tranchieren "in der Luft", d.h., sie hoben den

Zubereitung
Zubereitung
Braten mit einem Spieß hoch, sodass ihn jeder sehen konnte und zerteilten ihn blitzschnell. Die Scheiben fielen gleichmäßig dick geschnitten auf die Platten darunter. Das Ganze wurde zelebriert wie ein Schauspiel, denn das Festmahl diente nicht nur zum Sattwerden, sondern wurde immer wieder von Showeinlagen unterbrochen. Jongleure, Gaukler, Tänzer, Musikanten unterhielten die Gäste während und zwischen den einzelnen Gängen. Am Endes des Mahls standen die Süßspeisen, die in riesiger Auswahl aus Früchten, Mandeln, Zucker, Marzipan und Nougat hergestellt waren. Torten, Kuchen und Kekse, die von Konditoren und Patissiers gebacken und aufwändig verziert waren, bildeten den Abschluss, wenn niemand mehr Hunger hatte, sondern nur noch genascht wurde.

Nach jedem Gang wurde eine Pause eingelegt, in der man vom Tisch aufstehen und sich die Beine vertreten konnte. Man ging seinen menschlichen Bedürfnissen nach, redete mit anderen Gästen oder tanzte etwas zur Musik.
Inzwischen wurden die benutzten Teller und Schüsseln eingesammelt. Die schmutzigen Tischtücher, an denen sich die Gäste Mund und Hände abgewischt hatten, wurden abgenommen und durch frische ersetzt. Dann wurde der ganze Tisch neu eingedeckt.

So ging es Gang für Gang weiter, was Stunden dauerte. Die Stimmung stieg durch den Alkoholgenuss schnell an. Die meisten Leute waren nach einiger Zeit satt und nahmen immer weniger von den aufgetragenen Gerichten. Stattdessen fingen sie an, mit ihren Tischdamen oder -herren zu flirten oder sich mit Süßigkeiten und Geflügelteilen zu bewerfen.

Manche übergaben sich oder urinierten unauffällig in die Ecken des Saales, man kann sich vorstellen, wie es da am Ende des Abends aussah und roch. Überhaupt arteten viele der Festmähler in regelrechte Fress- und Saufgelage oder Orgien aus.
Sexuelle Ausschweifungen an den italienischen Renaissancehöfen während des Festes waren an der Tagesordnung, was niemanden schockierte, denn man sah es als natürliches Bedürfnis und Bestandteil eines Festes an. Nördlich der Alpen ging es keineswegs gesitteter zu. Rohheit und Unmanierlichkeit gehörten zum guten Ton und wurden als Merkmal echter Männlichkeit gesehen. 1526 kam es auf einem Ball von Erzherzog Ferdinand I. von Österreich zu Mord und Totschlag unter den Gästen so dass die Damen die Flucht ergreifen mussten. Herzog Ulrich von Württemberg (1487 - 1550) hatte die Angewohnheit wenn er zu viel Alkohol intus hatte, einen Jagdhund zu spielen und seine Gäste anzufallen und mit Bissen zu traktieren. Bei Graf Andreas von Sonnenberg wurde am letzten Fastnachtabend nach dem Essen Hundescheiße
in den Saal gekarrt und die feinen Herren und Damen bewarfen sich mit dem braunen Gold. Die reichen Menschen feierten überall ihren Status ihrer Macht und das Leben allgemein, das erschreckend kurz sein konnte. Für ein solches Bankett stürzten sich Fürsten und Herrscher in immense Unkosten. Um andere Adelige zu beeindrucken oder diplomatische Verhandlungen während des Essens zu führen, war nichts zu teuer. Familienfeste wie Hochzeiten, Taufe und Begräbnis wurden nicht weniger gefeiert. 1535 wurden bei den Hochzeitsfeierlichkeiten von Herzog Friedrich von Bayern in Heidelberg täglich 50 Tafeln gedeckt. Hochzeiten konnten wochenlang gefeiert werden und verschlangen Unmenge an Geld. Die armen Leute profitierten oft aber auch von den Gelagen, denn sie wurden häufig mit den Resten beschenkt.

In Deutschland aß man viermal am Tag und ging um 19.00 Uhr oder 20.00 Uhr spätesten schlafen. Man darf nicht vergessen, dass die Nachtbeleuchtung damals nicht mit heute zu vergleichen ist. Wer will, kann einmal bei sich Zuhause Nachts herumexperimentieren und die Wohnung mit Kerzen und Fackeln erleuchten.
Am französischen Hof wurde in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts um 10.00 Uhr Mittag gegessen und das Abendessen nahm man um 16.00 Uhr ein. In der zweien Hälfte rückte man mit den Zeiten vor.
Karl V. aß um 11.00 Uhr zu Mittag und sein Nachtmahl nahm er um 19.00 Uhr ein. An seinem Hof ging man im Sommer um 22.00 Uhr und im Winter um 23.00 Uhr ins Bett.

Einzelne Nahrungsmittel und ihre Geschichte

Die Kartoffel

Die Kartoffel stammt aus Südamerika, wo sie bereits im 8. Jahrtausend v. Chr. als Wildpflanze gegessen wurde. Die Inkas kultivierten die Kartoffel und nutzten sie nicht nur als Nahrungsmittel, sondern auch zu religiösen und rituellen Zwecken. Sie nannten sie einfach "papas", was Knollen bedeutet.
Erst Mitte des 16. Jahrhunderts kam die Kartoffel über Spanien und England nach Europa. 1565 erhielt der spanische König Philipp der Zweite von den heimgekehrten Seefahrern eine Kiste mit indianischen Produkten, in der auch einige Kartoffelknollen waren. Er verschenkte einen Teil der Knollen weiter an den erkrankten Papst und so breitete sich die Kartoffel allmählich in Europa aus. Allerdings wurde sie lange Zeit wegen ihrer weißen Blüten eher als Zierpflanze gehalten. Da die Knollen im kühlen europäischen Klima klein und kümmerlich waren, blieben sie eine seltene Delikatesse für Reiche oder ein Heilmittel, das bei Kopfschmerzen und Knochenbrüche empfohlen wurde.

Anfangs war der Widerstand gegen die Kartoffel als Grundnahrungsmittel groß. Eine Frucht die unterhalb der Erde wächst, konnte nur eine Frucht des Teufels sein. Gegner der Kartoffel behaupteten, das die Kartoffel aus dem Speichel des Teufels entstanden sein und die Sünde beherberge. In der französischen Encyclopédie von 1765 wurde behauptet, das sie Lepra und kränkliche Blähungen verursache. Die Tatsache das einige Menschen nicht die Knollen, sondern die giftigen Beeren oberhalb aßen, waren auch nicht gerade eine positive Werbung für die Kartoffel.

Nach und nach züchtete man robustere und größere Sorten, und vor allem in England und Irland wurde die Kartoffel in den folgenden 200 Jahren immer beliebter, bevor sie von Friedrich II. auch den Deutschen schmackhaft gemacht wurde. Schon bald erkannten die Bauern jedoch auch, das ein Kartoffelfeld ein sehr großen Vorteil gegenüber einem Weizenfeld bietet. Im Kriegssommer konnten Soldaten auf dem Kartoffelacker campieren ohne wie früher die Ernte des Herbstes zu zerstören.

Der Wein

Wein ist ein uraltes Kulturgetränk. Schon vor 10000 Jahren baute man Trauben an. Perser, Ägypter und Assyrer gelten als Begründer des Weinbaus, doch auch in China wurde schon früh Wein angebaut. Die Phönizier führten den Weinanbau in Griechenland ein. In der griechischen und römischen Mythologie gab es mit Dionysos und Bacchus schon Gottheiten des Weines. Der Wein wurde zum Volksgetränk. Die Römer sorgten für eine Ausbreitung des Weinanbaus in ihrem Reich. Z. B an der Mosel begründeten sie eine lange Weintradition. Die Weine, die die Römer tranken, waren allerdings dickflüssig, bitter, übertrieben alkoholhaltig und fast immer sehr alt, da sie ewig gelagert wurden. Der Wein musste mit Wasser verdünnt werden, um genießbar zu sein.

Weinbauer
Weinbauer
Im Mittelalter wurde im gesamten mittel- und südeuropäischen Raum Wein angebaut, aber besonders in Frankreich, Italien und Deutschland. Karl der Große weitete die Anbaugebiete aus und regelte den Weinanbau. Besonders die Klöster und Konvente entwickelten eine immer höhere Qualität. Bevor die Araber in Palästina einfielen, war der dortige hergestellte starke Wein das Lieblingsgetränk der europäischen Weintrinker. Der Malvasier aus Griechenland und der Reynfal aus Istrien folgte dem nach. Durch Missernten, die Pest, Kriege und andere Umstände
Weinverkäufer
Weinverkäufer
brach aber auch für die Winzer eine dunkle Zeit an. Durch den Verbrauch von Abendmahlswein, an dem die Kirche natürlich ein starkes Interesse hatte, sorgte sie für die Aufrechterhaltung der Weinproduktion in den Klöstern. Später, als die italienischen Stadtrepubliken am Handel reich wurden, blühte der Weinbau wieder stark auf. Wein wurde wichtiges Handelsgut. Schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts gab es spezielle Weinsorten, die einen guten Namen hatten, sowohl in Frankreich als auch in Italien. Diese guten Weine waren die Lieblingsgetränke des Adels und kosteten entsprechend viel.


Mit dem Weinanbau geht schon seit jeher Hand in Hand das Pantschen. Mit Hilfe von Bleiweiß, Vitriol, Ingwer, Lehm, Asche, Salz, Senf, Weinstein wurden aus billigen Weinsorten begehrte fremde Sorten hergestellt.
Ab 1487 häufen sich die Reichsgesetze gegen das Pantschen. Man kann sich also vorstellen wie sehr manipuliert wurde.

Weinkelterung
Weinkelterung

Von Europa aus gelangt der Wein nach Amerika. Schon nach kurzer Zeit bauen die Auswanderer in Mexico, Peru und Chile Wein an. 1580 wird die Weinrebe auch in Buenos Aires heimisch. Den größten Erfolg feiern die unzähligen Inseln im Atlantik zwischen Amerika und Europa, die nach beiden Seiten exportieren können.

Da in der frühen Neuzeit die natürliche Weinanbaugrenze jenseits des 49. Breitengrades endet, ist man im Norden Europas auf den Import des angewiesen. Da im Norden die Preise für den Wein höher waren, konnten es sich auch nicht alle leisten davon zu trinken.
Man kann einen Unterschied in der Trinkweise entdecken. Im Norden bevorzugt man stärkere Weine und die neuen Spirituosen. Die Engländer tranken sehr gerne Sherry und Portwein. Branntwein wird vor dem 15. Jahrhundert nur als Medizin eingenommen.
Im Süden schüttelte man den Kopf über die Säufer im Norden.

Wirtshaus
Wirtshaus
Vor allem waren die Deutschen überall als Säufer verschrien. Nichts war schlimmer im deutschen Reich als jemanden die Einladung zu einem Trunk auszuschlagen. Das konnte schlimme Konsequenzen nach sich ziehen. Am einfachsten konnte ein Ausländer einen Deutschen glücklich machen und ehren, wenn er ihm so viel wie möglich zu trinken gab. Auf dem Reichstag zu Augsburg 1558 bat der Kaiser die anwesenden Fürsten sich für ein paar Tage zurück zu halten damit man mit den Verhandlungen besser vorankommen kann. Immer mehr Trinkgemeinschaften bildeten sich in dieser Zeit und es wäre eine Schande für einen Wirt gewesen, wenn sein Gast nüchtern blieb.

Bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts ist die Flasche für den Transport und die Aufbewahrung von Wein ungeeignet. Erstens fehlte das stabilere Bleiglas und zweitens war das Wissen um den Korkverschluss seit der Antike in Vergessenheit geraten. Transportiert und gehalten wurden die Weine in Holzfässern. In ihnen hielten sie sich aber nicht immer gut.
Im Gegensatz zu heute verachtete man alten Wein. Erst ab dem 18. Jhr. sollte sich der Trend ändern. Für ein Fass neuen Bordeaux zahlte man im Jahre 1500 50 Livres. Ein altes Fass hatte nur ein Wert von sechs Livres.

Das Bier

Genau wie Wein ist auch Bier ein altes Kulturgetränk. Schon vor 8000 Jahren brauten die Sumerer aus Gerste und Emmerweizen Bier. Mehr als die Hälfte allen angebauten Getreides wurde zu Bier verarbeitet. Genauso haben auch die Chinesen und die präkolumbianischen Zivilisationen gebraut, allerdings wurde in Südamerika Weizen statt Gerste angebaut.
Da Gerste in kühleren Regionen besser gedeiht als Weintrauben, verlegten sich Länder wie England, Holland und der Norden von Deutschland eher auf die Bierproduktion.

Ein Mönch am Sudkessel - Mendelschen Stiftungsbuch(1403)
Ein Mönch am Sudkessel - Mendelschen Stiftungsbuch(1403)
Auch hier waren die Klöster wieder maßgebend beteiligt. Etwa im 15. Jahrhundert wurde durch die Beimengung von Hopfen eine neue, bitterere Biersorte entwickelt. Die gehopfte Variante nannte man "Bier", die ungehopfte "Ale". Die Mönche brauchten ein sättigendes Nahrungsmittel, das auch in der Fastenzeit erlaubt war, dafür war Bier perfekt, denn flüssige Nahrung durfte man auch während des Fastens zu sich nehmen. Es ist kein Wunder, dass der Bierverbrauch in den Klöstern erstaunliche Ausmaße annahm. Natürlich wurde auch viel damit gehandelt. Die Städte und Landesherren drängten mit ihren Brauerzünften und durch Brau- und Handelsverbote die dominierenden Klosterbrauereien immer weiter zurück. Die Zünfte wurden sehr mächtig und übernahmen auch Ehrenämter wie z.B. das Totengräberwesen bei den großen Pestepidemien. Aber nicht nur in Klöstern und Brauereien wurde Bier hergestellt, auch Zuhause in der Hauswirtschaft. Diese Aufgabe fiel den Frauen zu.


Das Reinheitsgebot für Bier gibt es schon seit Mitte des 15. Jahrhunderts in Deutschland. "Item sie sullen auch pier und greussing sieden und prewen nur allein von Gersten, Hopfen und Wasser und sonst nichts darein oder darunter thun noch sieden oder man straffe es fuer valsch".

Die Hanse steuerte von so genannten Brauzentren aus den Bierexport in alle Länder, bis nach Indien.

Der Kaffee

Die Ursprünge des Kaffeeanbaus liegen in Afrika. Die afrikanischen Krieger nutzten die anregende Wirkung, indem sie die Kaffeekirschen zermahlten, mit tierischem Fett vermischt zu kleinen Bällchen formten und vor dem Kampf zu sich nahmen.
Der berühmte persische Arzt Ibn Sina (Avicenna) verwendete bereits Kaffeebohnen als Heilmittel.
Im 11. Jahrhundert pflanzten die Araber bereits Kaffee auf den künstlich bewässerten Küstenhängen des Roten Meeres. Der starke arabische Mokka wurde nach der gleichnamigen Hafenstadt benannt. Jahrhunderte lang lag das Zentrum des Kaffeeanbaus im Jemen, und die Ausfuhr der Kaffeebohnen wurde streng kontrolliert. Lebende Kaffeepflanzen sollten das Land nicht verlassen, trotzdem gelang es islamischen Pilgern, sie aus dem Land zu schmuggeln, so dass der Kaffee bald auf dem indischen Subkontinent angesiedelt wurde.
Die Türken verfeinerten die Zubereitung des Kaffee und bauten die ersten prächtigen Kaffeehäuser Mitte des 16. Jahrhunderts.

1615 gelang der Kaffee nach Venedig. Sire La Roque führte den Kaffee 1644 in Marseille ein. Der erste Kaffee in London wurde vermutlich 1651 getrunken.
Seinen dauerhaften Platz sollte der Kaffee in Europa ab 1669 haben. In diesem Jahr gab der türkische Botschafter Soleiman Mustafa Raca etliche Kaffee-Empfänge.
In den Wiener Legenden heißt es, dass Georg Franz Kolschitzky nach der zweiten Türkenbelagerung Wiens 1683 das erste Wiener Cafe eröffnete. Er soll im verlassenen Lager der Türken Säcke mit Kaffeebohnen gefunden haben, und für seine Dienste als Kundschafter während des Krieges als erster das Kaffeeschankprivileg bekommen haben. Jedoch weiß man heute das ein Armenier Namens Deodato 1685 der erste Cafetier in Wien war. Schon bald war Kaffee ein Modegetränk. Man propagierte den Kaffee als Wunderheilmittel gegen Geschwüre, Wassersucht, Krätze, schlechtes Blut, Magenschmerzen, Appetitlosigkeit, Schwermut, Schnupfen usw. usf.

Der Tee

Zum erstenmal lernen die Europäer den Tee in Indien kennen. Das erste Schiff mit Tee als Ladung soll 1610 in Amsterdam eingelaufen sein. Von nun importierten Holländer, Engländer und Portugiesen den Tee aus China. Die Einbürgerung des Tee verläuft sehr schwierig und kompliziert. Mit der Einfuhr der Teeblätter ist es noch lange nicht getan. Kannen und Porzellantassen mussten auch geholt werden.
Laut Delamares gibt es erst um 1635 oder 1636 erste Hineise auf Tee in Frankreich.
1657 gibt es in Londoner Kaffeehäuser für die Gäste den ersten Tee.
Die britische Ostindienkompanie beginnt ab 1669 den ständigen Tee Import aus Asien.
Erst im 18. Jahrhundert sollte sich der Tee in Europa durchsetzen.

Der Kakao

Ursprünglich gab es den Kakaobaum nur im Amazonasgebiet. Um 250 v. Chr. begannen die Maya, die Kakaopflanze auf Plantagen zu kultivieren. Kakaobohnen waren ein gutes Zahlungsmittel. Nachdem die Azteken in Mexiko die Vorherrschaft übernommen und die anderen Völker unterworfen hatten, nahmen sie Tributzahlungen in Form von Kakaobohnen entgegen. Auch Steuern konnten in Kakaobohnen bezahlt werden und lagerten in den Vorratskammern oft mehr als einhundert Millionen Bohnen.
Das aus den Bohnen hergestellte Getränk, "Xocoatl" genannt, wurde aus gemahlenen, gerösteten Kakaobohnen, Wasser und Gewürzen gemischt.
1502 kam Christoph Columbus auf seiner 4. Reise als erster Europäer mit Kakaobohnen, aus denen die Eingeborenen ein Getränk zubereiteten, in Kontakt. Da er den Seeweg nach Indien gesucht hatte, interessierte ihn der Kakao nicht besonders.
Anders Hernan Cortez. Als er 1519 einen Teil Mexikos eroberte, schmeckte ihm der Kakao zwar auch nicht, aber der Wert der Bohnen als Zahlungsmittel reizte ihn umso mehr, und er ließ Plantagen anlegen, um "Geld" anzubauen. 1528 brachte er den ersten Kakao mit nach Spanien. So herb, wie die Azteken ihn machten, schmeckte der Kakao den Europäern nicht. Erst als man anfing, ihn mit Honig und Zucker zu süßen, wurde er zum Luxusgetränk.

Langwierige Diskussionen gab es bei Kirche und Adel über die Frage, ob Schokolade ein Getränk oder eine Speise ist. Als Getränk war sie in der Fastenzeit erlaubt, als nahrhafte Speise nicht. Mehrere Päpste wurden zu diesem Problem befragt und entschieden letzten Endes, Schokolade sei ein Getränk und deshalb in der Fastenzeit erlaubt. Man stufte Schokolade als gesund ein und empfahl sie als Heilmittel gegen Fieber und Magenschmerzen.
Bevor aus der flüssigen Form die späteren Tafel- und sonstigen Schokoladen wurden, verging noch lange Zeit.

Der Mais

Die Anfänge des Maisanbaus findet man im etwa 200 km südlich von Mexico City gelegenen Tehuacán Tal. Von Mexico aus verbreitete er sich Richtung Norden und Süden.
Der Mais ist eine wahre Wunderpflanze. Sie wächst rasch, ist Ertragreich, und erfordert wenige Arbeitstrage vom Bauer. Kein Wunder das die Mayas und Azteken genügend Zeit hatten ihre Pyramiden und Städte zu bauen, da man nicht so viel Zeit auf den Feldern verbringen mussten.

1492 berichteten Späher Christoph Columbus von einer einheimischen Pflanze die von den Einheimischen Mahiz genannt wird.
Ab 1500 wird Mais in Andalusien im südlichsten Spanien angebaut.
Um 1520 in Portugal. Als nächstes erreichte der Mais Südfrankreich und Norditalien.
Zuerst war der Mais eine Gartenfrucht , dann wurde er als Futter fürs Vieh verwendet bis die Bauern es als Nahrung für sich selbst entdeckten.

Es sollte etwa noch ca. 200 Jahre dauern bis sich der Mais großflächig angebaut wurde. Über Umwege kam der Mais nach Mitteleuropa.
Von Portugal aus nach Afrika, von Afrika nach Asien. Aus der Türkei retour nach Mitteleuropa wo der Mais türkischer Weizen genannt wurde. Wie früher schon blieb der Mais arme Leute Essen.
Die Bauern verwendeten den Mais für sich selbst und verkauften ihren Weizen.

Das Salz

Heute eine gewöhnliche Ware die man um wenig Geld in jedem Einzelhandelsladen bekommt, damals eines der wichtigsten und wertvollsten Handelswaren.
In einer Zeit in der es keine Kühlschränke gab, wurde Salz als Konservierungsmittel für Fleisch und Fisch verwendet.
Das Salz wurde von verschiedensten Quellen bezogen:
  • das Plattensalz der Sahara, das nach Schwarzafrika transportiert wurde und gegen Sklaven, Elfenbein usw. usf. getauscht wurde,
  • das Meersalz des Mittelmeeres und des Atlantiks,
  • das Salz aus den Bergwerken.
Das Speiseeis

Schon die alten Römer und Chinesen waren dem Eis zugetan. Jedoch hatte ihr Eis mit unserem heutigen Eis nicht viel gemein.
Ihr Eis war gewöhnlicher Schnee mit Honig, Fruchtsäften oder Gewürzen gemischt.
Das Wissen um diese Speise ging in Europa mit dem römischen Reich unter.
Erst Marco Polo entdeckte in China das Eis wieder.

1530 entdeckte ein Konditor aus Catania das man mit Hilfe von Salpeter und Wasser jederzeit künstliche Kälte erzeugen kann. Von da an wurde Gelati Eis Mode an den italienischen Höfen.
1533 brachte Katharina de Medici einen Gelatiere, einen Eismacher, mit nach Frankreich. Zu ihrer Hochzeit wurde unter anderem Gelati als Dessert serviert.
1660 eröffnete einer der Hofköche Ludwig XIV., der Sizilianer Francesco Procopio dei Coltelli, in Paris ein Cafe in dem die Bürger der Stadt neben Kaffee auch Speiseeis kaufen konnten.

Der Zucker

Lange Zeit nahm man an, dass das Zuckerrohr seinen Ursprung in Indien hat. Aber inzwischen geht man davon aus, dass das Zuckerrohr von Polynesien und Neuguinea (Funde aus der Zeit 8000 v. Chr.) aus nach Südostasien und Indien kam. Von Indien aus ging es weiter nach Persien.

Der gewonnene Zucker aus der Pflanze wurde vorerst als Medizin verwendet. Es sind Rezepte aus der Zeit des neupersischen Sassanidenreiches (ca. 3. Jhr - 7. Jhr n. Chr.), Byzanz, aber auch Süditalien, ein Arzneibuch der Schule von Salerno des 10. Jhr. überliefert.

Als Nahrungsmittel wurde der Zucker in Indien und China, das um 800 n. Chr mit dem Zucker in Berührung kam, verwendet. Im Süden Chinas, vor allem in der Kanton Provinz, fand der Zuckerrohranbau statt. Nordchina bekam lange Zeit keinen Zucker zu sehen.

Die Kreuzfahrer stoßen in Syrien auf den Zucker. Nach dem Fall ihrer Bastionen im Orient, bringen die Kreuzritter den Zucker nach Zypern.
Durch die Araber verbreitet sich der Zuckerrohr langsam im Mittelmeerraum. In Sizilien baut man nun auch Zuckerrohr an. Etwas später folgt Valencia dem Beispiel.
Ende des 15. Jahrhunderts wurde Zuckerrohr auch in Marokko, den Azoren, den Kanaren, und den Inseln im Golf von Guinea angebaut.

1572 schreibt der Geo- und Kartograph Abraham Ortelius, der viel auf der Welt herum kam: "Nicht mehr wie früher nur in Apotheken erhältlich, die ihn für Kranke vorrätig hielten, wird er heute aus Fressgier verschlungen. ....Was früher als Arznei diente, ist für uns heute Speise."

1520 ereichte das Zuckerrohr Brasilien, das in Besitz der Portugiesen war. Das war der Startschuss für den exzessiven Zuckerrohranbau im 17. Jhr. in Südamerika.
Gegen das was in den Kolonien angebaut wurde, wirkte die Produktion auf Zypern wie eine Hobbygärtnerei.

In der dominikanischen Republik wurden im 18. Jahrhundert 70000 Tonnen Zucker erzeugt.
Lord Sheffield meinte 1783: "Der Konsum von Zucker kann noch beträchtlich steigen. In halb Europa ist er noch so gut wie unbekannt."

Ein Grund warum der Zucker in weiten Teilen Europas unbekannt war, ist die späte Nutzung der Zuckerrübe als Zuckerlieferant. Sie war zwar schon seit 1575 bekannt, aber erst 1747 entwickelte der deutsche Chemiker Marggraf ein Verfahren zur Zuckergewinnung von auskristallisiertem Rohrzucker.
Bis dahin war die Zuckergewinnung durch das Zuckerrohr nur auf die tropischen Klimazonen beschränkt gewesen, was sich mit der Zuckerrübe ändern sollte.

Ein anderer Grund für das kaum Vorhandensein des Zuckers in einigen Teilen Europas liegt an den Problemen bei der Zuckergewinnung.
Es erforderte eine sehr große Menge an Arbeitskräften für die Zuckergewinnung auf den Zuckerrohrplantagen. In den Jahrhunderten als es noch keine Maschinen gab, brauchte man unzählige Sklaven aus Afrika. Der Zuckerrohr, eine recht schwergewichtige Pflanze, musste mit Walzen zerquetscht werden. Der daraus gewonnene Saft wurde in einem langwierigen Prozess in Kupferkessel zu Zucker herauskristallisiert.
Zuckerrohr wurde als Monokultur angebaut. Der Nachtteil des Zuckerrohr ist, das er alle Mineralien aus dem Boden zieht und der Boden danach unbrauchbar ist. Es blieb wenig Platz für Weizenanbau usw.
Kontinentaleuropa musste Jahr für Jahr Tonnen von Nahrungsmittel in die Kolonien liefern.
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