Hund, Katze, Mensch

Der Hund in der frühen Neuzeit

Karl V. mit Dogge - J.Seisenegger (1532)
Karl V. mit Dogge - J.Seisenegger (1532)
Selbst bei den Hunden gab es damals eine Ständegesellschaft.
Streunende Hunde, Hunde der niederen Schichten wie den Bauern und Handwerker waren nicht hoch angesehen.
Die Haltung der unedlen Hunde wurde durch Verordnungen geregelt.
Um die herrschaftlichen Besitztümer und das Wild vor Übergriffen zu schützen, wurde die Bewegungsfreiheit der Bauernhunde eingeschränkt.
Bauern-, Hirten-, Fleischhacker- und Müllerhunde mussten entweder angekettet oder mit Prügel behängt werden, die das Laufen stark behinderten.

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Zwei Hofdamen - Vittore Carpaccio
Im Gegensatz dazu war der materielle Wert der Herrenhunde, als kleine Schosshunde oder Jagdhunde, sehr hoch. Sie waren edle Geschenke.
Die Lieblingshunde des Adeligen bekamen ein goldenes Halsband und hatten das Privileg, als Kammerhunde neben dem Bett zu schlafen. Die Leibhunde trugen silberne Halsbänder und schliefen vor der Türe des Schlafgemachs. Bei manchen war die emotionale Bindung so hoch, dass sie zum Gottesdienst mitgenommen wurden, was von der Kirche nicht gerne gesehen wurde. Doggen waren sehr beliebt beim Adel.

Tizian - Clarissa Strozzi (1542)
Tizian - Clarissa Strozzi (1542)

Die Katze in der frühen Neuzeit

Waren Katzen bei den Ägyptern Götter, bei Griechen und Römern Luxus- und Liebhabertiere und selbst bei den verschiedenen germanischen Stämmen gern gesehen, so wurde mit Hilfe des Christentums seit dem Mittelalter eine Negativkampagne gegen die Katzen gestartet, die sich auch in der frühen Neuzeit fortsetzten sollte.

Bastet, Tochter des Ra
Bastet, Tochter des Ra

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Freya
Es gab einige Gründe dafür.
Die einzige Erwähnung von Katzen in der Bibel steht im Zusammenhang mit Götzen.
Der Wagen der germanischen Göttin Freya wurde von zwei Katzen gezogen, wodurch sie durch ihre mythologische Rolle in das Heidnische gedrängt wurden.
Der Franziskanermönch Berthold von Regensburg predigte im 13. Jahrhundert von der Kanzel, dass der Atem der Katze Pest verbreite.
Papst Innozenz VIII. sagte 1484 der Hexerei und Teufelsanbetung den Kampf an. Das hatte zur Folge, dass Ketzer und Hexen mit ihren Katzen verbrannt wurden. Schon der Besitz einer Katze konnte einen verdächtig machen.

In Katzen sah man Dämonen und Teufel. So wie die Katze eine Maus erbeutete, so erbeutete der Teufel auch die Seelen der Menschen.
Durch ihre Nachtaktivität wurde die Katze zu einem Symbol für die Wollust und Unkeuschheit. Die Sittengelehrten, die Angst vor der weiblichen Sexualität hatten, weil sie fürchteten, dass die Frau den Mann dadurch verhexen konnte, übertrugen die Symbolik von Katzen auf Frauen.
Die Jagd auf Katzen war eröffnet. Kinder rühmten sich damit, Katzen erschlagen zu haben. Die Tiere wurden auch für Zielübungen missbraucht. Es gab Feste, bei denen Katzen rituell auf Scheiterhaufen verbrannt wurden. Nur Katzen die ein weißen Fleck am Hals hatten, konnten mit Schonung rechnen, da der Fleck als Engelszeichen galt.

Doch auch damals gab es Menschen, welche Katzen als Liebhabertiere hielten.

Kardinal Richelieu (1585 - 1642) hatte unzählige Katzen in seinem Domizil. Er hinterließ ihnen eine Pension und zwei Wärter, die sich nach seinem Tod um sie kümmern mussten.

Ludwig XIII. (1610 - 1643) König von Frankreich war auch ein Katzenliebhaber, der den von der Kirche verordneten Katzenverbrennungen ein Ende setzte.

Wirtschaftlicher Nutzen von Hund und Katze

Aus der Haut wurde Katzen- und Hundeleder hergestellt.
Schuhe, Handschuhe, Geldbeutel und Kopfbedeckungen wurden aus dem Material hergestellt.
Aus dem Fell wurden Pelze hergestellt, Mäntel gefüttert, Sättel und Matratzen ausgestopft.
Aus Knochen konnte man Kämme, Flöten, Würfel und Spielfiguren herstellen.

Hunde und Katzen in der Heilkunde

In unzähligen "naturwissenschaftlichen Werken" der damaligen Zeit findet man Texte über die Verwendung von Hund und Katz in der Human- und Veterinärmedizin.

Der Hund

Seine Zunge bringt Wunden und Geschwüren von Mensch und Tier Heilung, wenn er sie beleckt.
Hundehaut heilt Arthritis.
Hundehaare sollen gegen den Biss tollwütiger Hunde wirken.
Sein Blut heilt andere kranke Tiere. Aus Hundefleisch lässt sich eine Heilsalbe für Gelähmte herstellen: Die jungen, säugenden Hunde werden in Häfen gesotten, bis sich das Fleisch von den Beinen löst, die Substanz wird erkaltet gestoßen und auf das Rückgrat und auf die lahmen Glieder geschmiert.
In der Dreck-Apotheke ist neben Urin der weiße Kot von großer Wichtigkeit für verschiedene Rezepturen gegen Zahnweh, gegen Halsgeschwüre, gegen Schwindsucht. Fleisch, Lunge, Fett und Fell gelten als Heilmittel für Lungenkranke; Fett als Medikament gegen Frostbeulen, Quetschungen und andere Wunden waren den zu Beginn des 20. Jahrhundert befragten Vertrauenspersonen wohl bekannt.

Die Katze

Den Werken der Hildegard von Bingen, des Thomas von Chantimpré und des Konrad von Megenberg gemeinsam ist die totale Absenz der Katze in der Organtherapie. Die Ursache ist völlig klar: Hildegard hält die Katze für ein dämonisches Tier und bezeichnet Herz und Fleisch als giftig. Thomas von Chantimpre und Konrad von Megenberg verabscheuten vermutlich dieses "unreine", "gehässige" und "unkeusche" Tier, dem sie auf Grund ihrer Laster keinen Nutzen in der Heilung des Menschen zugestanden. Albertus Magnus dagegen übermittelt mehrere Heilmittel aus feliden Ingredienzien. Eine Medizin gegen Frauenleiden enthält Katzengalle, zwei andere Arzneien bestehen hauptsächlich aus pulverisiertem Katzenfleisch. Gesner empfiehlt einen ganzen Katzenkopf pulverisiert gegen eine Augenkrankheit und ein Rezept aus Kot und Senf gegen Kahlköpfigkeit. Das von ihm als "wichtiges Heilmittel" beschriebene Aphrodisiakum, das von der Zibeth-Katze gewonnen wurde, verfehlte vermutlich bei gleichzeitiger Behandlung mit dem Mittel gegen Haarausfall seine Wirkung. Katzenfleisch, Katzenfett, Katzenblut als Volksheilmittel ebenso wie die Verwendung von Katzenfell gegen Rheuma, Gicht, nach Rippenfellentzündung, bei Tuberkulose.

Im 16. Jahrhundert wurden von Ärzten die ersten Tierallergien beobachtet und schriftlich festgehalten. Tierallergien wurden vor allem im Umgang des Menschen mit Pferden, Hunden und Katzen festgestellt.
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