Medizin

Medizin in der frühen Neuzeit

Galen
Galen
In der Renaissance fing man an, den bis dahin als Autorität auf dem Gebiet der Medizin geltenden Galen (Galenos von Pergamon ca. 129 n.Chr. - ca. 199 n.Chr.), welcher der Meinung war, dass der Körper aus vier Säften bestehen würde, kritischer zu hinterfragen und man ging ab dem 15. Jahrhundert dazu über, eigene Erkenntnisse aus den Untersuchungen zu ziehen. Die Lehren des Hippokrates wurden wieder entdeckt.

Der Belgier Andreas Vesalius (1514 - 1564), Leibarzt Karl V. und Phillip II. von Spanien, veröffentlichte 1543 sein Werk Über den Aufbau des menschlichen Körpers. Darin wies er auf hunderte Fehler Galens die Anatomie betreffend hin.

Vesalius
Vesalius

Paracelsus
Paracelsus
Gabriel Fallopius (1523 - 1562), der die Eileiter und das Trommelfell entdeckte, diagnostizierte Ohrerkrankungen mit dem Ohrenspiegel und beschrieb sehr genau die Augenmuskeln, die Tränengänge und die Eileiter.
Auch der Spanier Michael Servetus (1511 - 1553) widerlegte Galen, in dem er als erster den Lungenkreislauf richtig beschrieb.
Der Schweizer Philippus Aureolus Theophrastus Bombast von Hohenheim, bekannt geworden als Paracelsus (1493 - 1541), Arzt und Alchemist, der nach heutigen Maßstäben auch Pharmazeutiker war, verbrannte sogar die alten medizinischen Schriften, lehrte auf Deutsch und setzte auf chemische Heilmittel.

Ambroise Paré
Ambroise Paré
Der französische Chirurg Ambroise Paré (ca. 1510 - 1590) begnügte sich bei einer Amputation nicht mehr bloß damit, Blutungen durch Ausbrennen zu stoppen. Er setzte Nähte und Klemmen ein und gilt heute als Vater der Chirurgie.
Der italienische Arzt Girolamo Fracastoro (ca. 1478 - 1553) veröffentlichte seine Theorie, wonach ansteckende Krankheiten durch unsichtbare, vermehrungsfähige Keime übertragen werden.

Einer der größten Fortschritte wurde in der Renaissance im Bereich der Anatomie gemacht.
Das Sezieren des Körpers war im Mittelalter verboten. Die Neugierde der Gelehrten konnte nur durch heimliches Sezieren von Leichen, die Leichendiebe am Friedhof ausgegraben hatten, befriedigt werden.

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Holzschnitt aus dem Buch Fasciculus medicinae
Auch gab es die Chance eine Leiche zu sezieren, wenn es Teil der Strafe bei einer Hinrichtung war.
Mitte des 15. Jahrhunderts sezierten Chirurgen nach Anordnung der Ärzte und im Beisein von Künstlern Leichen. Der italienische Maler Andrea Mantegna war der erste, der von 1466 bis 1468 in Florenz die Bewegung an nackten Körpern studierte.
An den Universitäten wurden die Leichen seziert um die Thesen Galens zu untermauern, obwohl die Widersprüche deutlich für jedermann zu sehen waren, aber der Lehrer bog es sich passend zurecht. Der Arzt saß erhöht auf seinem Lehrstuhl und deutete mit einem Stab auf die Organe und las aus den Schriften Galens oder Hippokrates.
Im 16. Jahrhundert sezierte Vesalius Körper im Beisein seiner Studenten und demonstrierte die Fehler Galens.

Sogar die feine Gesellschaft traf sich in den Universitäten und hörte bei den öffentlichen Anatomievorlesungen zu.
Anschließend wurde ein Körper bearbeitet. Für Adel, Klerus und hohes Bürgertum war es ein gesellschaftliches Ereignis. Es wurden sogenannte Anatomietheater gegründet.

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Bild von Jan Stephen van Calcar aus dem Buch De humani corporis fabrica von Vesalius
Der venezianische Chirurg Alessandro Benedetti (etwa 1450 - 1512) schreibt über die Vorraussetzung für die Einrichtung eines Anatomietheaters: "Es ist nur erlaubt, Leichen zu sezieren, wenn man zuvor ein päpstliches Placet dazu eingeholt hat. Das Gesetz erlaubt also nur unbekannte Leichen zu sezieren, Leichen, die von niederem Stande sind und aus entfernt gelegenen Gebieten stammen, so dass weder Verwandten noch Nachbarn derselben ein Schaden entstehen kann. Unter denen, die gehängt wurden, werden jene ausgewählt, die mittleren Alters sind, weder zu dick noch zu dünn und von hohem Wuchs, so dass solche, die einer Sektion beiwohnen, das Material besser sehen können. Am besten lassen sich Sektionen während eines kalten Winters durchführen, denn in der Sommerhitze gehen die Leichen sofort in Verwesung über. Für die Sektion ist es vonnöten, eine Art Theater der Sektionskunst zu schaffen: einen großen, luftigen Raum, in welchem Sitzbänke in einem Halbrund aufgestellt sind, ein Raum nach der Art, wie man sie in Rom und Verona sehen kann. Dieser Raum sollte groß genug sein, die Zuschauer bequem und in solcher Entfernung von den sezierenden Chirurgen unterzubringen, dass dieselben bei ihrer Arbeit nicht gestört werden. Auch sollte eine Sitzordnung erstellt werden, die die Sitzplätze nach Maßgabe des Ranges und der Würde der Zuschauer verteilt. Deshalb ist auch ein Aufseher vonnöten, der über Einhaltung der Regeln wacht. Außerdem sind Torwachen nötig, die neugierige Eindringlinge fernhalten. Auch sollen zwei Schatzmeister gewählt werden, die dafür zuständig sind, aus gesammelten Geldern alles Notwendige einzukaufen. Gebraucht werden: Rasiermesser, Messer, Haken, Bohrer und Instrumente zur Öffnung des Schädels."
Trotzdem wurde Vesalius, dessen Ansichten und Sektionen einigen ein Dorn im Auge war, zu einer Pilgerfahrt ins Heilige Land gezwungen und kam auf der Rückreise bei einem Schiffbruch ums Leben.

Zeichnung vom Nacken - Leonardo da Vinci
Zeichnung vom Nacken - Leonardo da Vinci

Gebärmutter - Leonardo da Vinci
Gebärmutter - Leonardo da Vinci
Künstler wie Leonardo da Vinci beschäftigten sich nun eingehend mit der Anatomie des Menschen, vor allem den Muskeln, Sehnen und Bändern und zeichneten 3D Modelle des Körpers.
Schädel - Leonardo da Vinci
Schädel - Leonardo da Vinci
Er und andere Künstler wie Michelangelo, Raffael und Tizian haben selbst Leichen seziert. Giorgio Vasari gründete mit Segen der Medicis 1563 die erste Kunsthochschule in Florenz. Die Schüler mussten im Hospital Santa Maria Novella Anatomieunterricht nehmen.


Im 16. Jahrhundert begannen die akademischen Gelehrten den Ärztestand als Berufsvereinigung zu organisieren, um sich gegen die Baderchirurgen, Wundärzte, Zahnbrecher, Wunderheiler und Hebammen zu organisieren.

Hospitäler

Der Trend, der im Spätmittelalter aufkam, die Spitäler von ihrer Bindung an die Klöster zu trennen und unter die Kontrolle der städtischen Verwaltung zu bringen, setzte sich in der Renaissance fort.
Reiche Adelige und Bürger gründeten öffentliche und private Stiftungen um Findel-, Armen- und Krankenhäuser zu bauen. Allein im Florenz des 15. Jahrhunderts gab es 35 Spitäler.

In den Städten waren die Krankenhäuser nicht nur mehr für Kranke und Arme da, sondern sie entwickelten sich zunehmend zu Alterspflegeheimen.
Alte Bürger und Bürgerinnen konnten sich als Pfründner einen Platz im Spital "einkaufen".
Reiche erhielten spezielle Unterkünfte mit eigener Küche, Stube und Keller. Sie brachten ihr eigenes Dienstpersonal mit. Nach ihrem Tod ging ihr gesamtes Hab und Gut an das Spital.

Spital
Spital

Ärmere hatten nicht so viel Komfort. Ihnen wurde nur eine Bettstatt zugewiesen. Auch das Wenige, was sie hatten, ging nach ihrem Tod in den Besitz des Hospitals.
Nebenbei mussten sie Arbeiten verrichten wie das Vieh versorgen, Kranke betreuen, Küchendienste verrichten, im Garten arbeiten oder spinnen.

Das Personal des Hospitals bestand aus dem Spitalpfleger, dem Spitalmeister und der Spitalmeisterin, einigen Schwestern und Hilfskräften. Der Spitalpfleger verwaltete das Spitalvermögen und führte als Vertreter des städtischen Rates die Oberaufsicht über das Hospital. Ihm unterstanden der Spitalmeister und die Spitalmeisterin, die für die Verwaltungs- und für die Pflegedienste zuständig waren.
Das Pflegepersonal hatte keine medizinische Ausbildung.
Ärzte kamen nur, wenn der Patient über das notwendige Kleingeld verfügte.
Geistliche mussten täglich Messen lesen und an den Sonn- und Festtagen Gottesdienste für die Kranken halten.

Seuchen und Krankheiten in der frühen Neuzeit

Die Seuchen des Mittelalters meldeten sich auch in der frühen Neuzeit mit Erfolg zurück.
Jedoch sollten auch neue, zu der Zeit unbekannte Krankheiten auftauchen, welche die Menschen heimsuchen sollten.
Jede soziale Schicht konnte angesteckt werden, aber nicht jede setze sich der Gefahr gleichermaßen aus.
"Die Strafe Gottes", "Schuld der Juden", "Verhexung durch Hexen und Schwarzmagier.", schwirrten den Menschen in den Köpfen herum.

Die Seuchen sorgten für die Abnahme der Bevölkerung. Jene, die vielleicht das Glück hatten eine Krankheit zu überleben, waren von Folgeschäden wie Blindheit, Lähmung, Taubheit usw. gezeichnet. Die familiären und gesellschaftlichen Bindungen zerbrachen.
Da es weniger Bauern gab, fehlte es auch an Nahrung. Tote Handwerker konnten keine Dienstleistungen mehr erbringen. Infrastrukturen konnten so innerhalb weniger Tage zerbrechen. Die Wirtschaft musste darunter leiden. In Zeiten, in denen es der Wirtschaft schlecht geht, murrt man lauter gegen die Obrigkeit.
Trotz der Seuchen beginnt die Bevölkerung ab der Mitte des 15. Jahrhunderts wieder zu wachsen, denn je stärker eine Bevölkerung mit Erregern durchseucht wurde, desto weniger können sie ihr anhaben.

Die Pest

Die erste große Pestwelle begann im Jahre 541 nach Christus.
Die zweite große Pestwelle sollte die Menschheit 1347 bis 1532 heimsuchen, und raffte jeden dritten Bürger Europas dahin.

Sie beginnt in Kaffa auf der Krim. Nach jahrelanger Belagerung durch den Feind machten die Einwohner der Stadt eine schreckliche Entdeckung. Die Belagerer hatten tote Pestopfer über die Stadtmauern katapultiert. Sofort grassierte die Seuche in der

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Pest
ganzen Stadt und viele Menschen suchten die Flucht. Viele flohen übers Meer, um der Pest zu entkommen und nahmen so die Krankheit mit auf die Schiffe. Die Galeeren, die mit Kranken überhäuft waren, liefen den Hafen von Messina an. Die Einwohner erkannten das Übel zu spät, das die Hilfesuchenden im Schlepptau hatten. Binnen weniger Wochen hatte sich die Pest in ganz Sizilien ausgebreitet. Bis zum Dezember hatte sie ganz Italien und Südfrankreich befallen. In Venedig starben täglich 600 Menschen, Florenz musste die Seuche mit der Hälfte der Bevölkerung bezahlen. Von Italien aus breitete sie sich Richtung Norden über die Alpen aus.


Der Erreger der Pest ist ein Bakterium. Übertragen wird sie von Flöhen auf Ratten und Menschen. Die Erreger sind auch in Tierkot, Staub und Schmutz zu finden, was in aus unserer heutigen Sicht unhygienischer Zeit nicht gerade von Vorteil war.

An Pest erkrankte Ratten sterben schnell und so ist der Floh gezwungen, sich einen neuen Wirtskörper zu beschaffen.
Ist die Seuche erst einmal beim Menschen angelangt, sind keine Flöhe mehr nötig, um für eine starke Verbreitung der Erreger zu sorgen, denn die Menschen stecken sich gegenseitig durch vielerlei Möglichkeiten an. Sehr häufig ist die Ansteckung über natürliche Eintrittspforten, z.B. durch Wunden oder Läsionen im Mund- und Rachenraum, durch Verletzungen in der äußeren Haut, durch fäkal- orale Übertragung, wenn ein Kranker die Erreger in großen Mengen ausscheidet und sie in die Nahrung oder ins Trinkwasser eines anderen gelangen.

Die häufigste Form der Pest war die Beulenpest, die in etwa zwei bis zehn Tage nach der Infektion ausbricht. Die Symptome sind Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, starkes Krankheitsgefühl, Benommenheit und später Bewusstseinsstörungen. Es entstehen sehr schmerzhafte Beulen am Hals, in den Achselhöhlen und in den Leisten.
Diese Beulen können bis zu zehn Zentimeter groß werden und sind aufgrund innerer Blutungen in den Lymphknoten blau-schwarz gefärbt. Die Geschwüre zerfallen, nachdem sie eitrig eingeschmolzen sind.
Die Beulenpest war an sich nicht tödlich, wenn die Beulen behandelt wurden. Jedoch kam es bei 75% der unbehandelten Patienten zur Infektion des Blutes und somit zur Pestsepsis und zur Lungenpest und dem darauffolgenden Tod.

Die Inkubationszeit der Lungenpest dauerte nur wenige Stunden. Sie beginnt mit Atemnot, Husten, Blaufärbung der Lippen und schwarz-blutigem Auswurf, der extrem schmerzhaft abgehustet wird. Daraus entwickelt sich ein Lungenödem und ein Kreislaufversagen.
Die Sterblichkeitsrate lag bei 95%.

In sogenannten Pestbriefen wurden medizinische Ratschläge gegeben. Aderlass war die Primärwaffe gegen die Pest. Um die verpestete Luft zu reinigen, wurden auch viele wohlriechende Stoffe verbrannt.

Im 15. Jahrhundert begriff man in Deutschland Seuchen als eine immer wiederkehrende Erscheinung. Staaten und Städte begannen sich zur Wehr zu setzen.
Es wurden Seuchengesetze erlassen. Das Seuchengesetz von Basel aus dem Jahre 1400 verbietet allen von Beulen, Lungenschwindsucht, Epilepsie. Krätze, Antoniusfeuer, Milzbrand und Aussatz Befallenen, ihren Mitbürgern Nahrung anzubieten. Zuwiderhandlung wurde mit Ausweisung bestraft. Der Verkehr nach außen wurde strenger kontrolliert.
Hafenstädte waren die ersten, die Quarantäne einführten.
Fremde Ankömmlinge wurden zwischen 30 und 40 Tagen in Isolation gehalten und beobachtet. Die anderen Städte taten es ihnen allmählich nach und es wurden richtige Pestlazarette und Spitäler eigens für Pestkranke gebaut, wo sie von den anderen isoliert waren.
Viele dieser Krankenhäuser waren in der pestfreien Zeit geschlossen.
In vielen Spitälern stand kein Arzt zur Verfügung. Den Aderlass mussten Bader vornehmen.

Aderlass
Aderlass

Die Lepra

Die Lepra war eine schon in der Antike bekannte Infektionskrankheit. Man kennt sie auch als Aussatz und Mieselsucht. Sie wird durch ein Bakterium ausgelöst. Die Inkubationszeit kann bei Monaten oder auch Jahren liegen. Zur Infektion mit dem Erreger bedarf es eines langfristigen Kontakts mit einem Infizierten.
Ende des 16. Jahrhunderts verschwand die Lepra aus der Reihe der chronischen Volkskrankheiten in Mitteleuropa. Einerseits ließ die Pest nicht genug über für die Lepra, andererseits fruchtete die konsequente Isolation der Aussätzigen. Aussätzige waren aus der Gesellschaft Ausgestoßene.

Durch die Lepra wird das Nervensystem gestört. Die Kranken verlieren das Gefühl für Kälte, Wärme und auch Schmerz. Es kommt zu Muskelschwäche, Muskelrückbildung und Lähmungserscheinungen.

Fleckfieber

Eine neue Krankheit war das Fleckfieber. Es lässt sich erst ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts nachweisen. Es wurde lange Zeit mit Typhus verwechselt.
Sie ist eine bakteriell durch Läuse, Milben, Zecken und Flöhe übertragene Infektion.
Nach einer Inkubationszeit von 10 bis 14 Tagen kommt es zu raschem Fieberanstieg, bohrenden Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Aufgedunsenheit und Rötung des Gesichtes. Die Lymphknoten am Hals schwellen an, wenn die Speicheldrüsen zu eitern beginnen.

Die deutschen Truppen wurden durch Fleckfieber in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts auf dem Balkan, als sie gegen Türken kämpften, ziemlich in Mitleidenschaft gezogen. Einer der Namen sollte nun Kriegstyphus sein, da sie oft in Kriegszeiten auftauche.
In den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts traten Fleckfieberepidemien in Kärnten, in Südeuropa und in Deutschland mehrmals auf.
Als 1494 der französische König Karl VIII. in Oberitalien Krieg führte, sorgte er, wenn auch nicht persönlich, für die Verbreitung der Krankheit in Italien.
In den 1520er Jahren, als Söldnerheere Italien durchstreiften, kam es öfters zu Fleckfieberausbrüchen.

Syphilis

Die zweite Infektionskrankheit, die am Ende des 15. Jahrhunderts auftritt, ist die Syphilis. Sie ist eine durch Bakterien ansteckende Geschlechtskrankheit.
Je nachdem wo man ihren Ursprungsherd vermutete, hatte sie in jedem Land einen anderen Namen.
Die französische Krankheit in Italien, Spanien, England, Deutschland.
Die italienische Krankheit in Frankreich.
Die deutsche Krankheit in Polen.

Über den Ursprung der Epidemie gibt es zwei Theorien.
Lange Zeit nahm man an, dass die Krankheit von Columbus und seinen Männern 1493 von den Westindischen Inseln mitgebracht wurde.
In den letzten Jahren gewinnt auch die Präcolumbianische Theorie Anhänger.
Danach gab es die Syphilis in schwächerer Form schon im 13. Jahrhundert in England und als Hautkrankheit in der Antike, was archäologische Funde bewiesen haben. Man nimmt an, dass die große Syphilisepidemie eine Mutation des europäischen Syphilisbakteriums war.

Was man mit Gewissheit weiß, ist, dass die Syphilis in ihrer jetzigen bekannten Form 1495 bei der Belagerung von Neapel durch die Franzosen bei den französischen Soldaten aufgetreten ist.
Die Krankheit breitete sich rasend schnell über ganz Europa aus.
Schon um 1500 wurden in Süddeutschland etliche neue Seuchenhäuser, die man Franzosenhäuser nannte, gebaut.
Die Kirche nahm die Syphilis zum Anlass, um gegen die Badehäuser, die man am ehesten mit heutigen Swingerclubs vergleichen kann, zu wettern und ihre Schließungen zu veranlassen.
Man redete den Menschen ein, dass Wasser Krankheiten übertragen würde, was der Reinheit der Menschen in den nächsten Jahrhunderten nicht gut bekam und zur Zeit eines Ludwig XIV., der nur einmal im Jahr ein Bad nahm, seinen Höhepunkt fand.

Sie wurde auch durch die Berührung erkrankter Haut- bzw. Schleimhautstellen, durch das Tragen der Kleidung von Infizierten und durch die Benutzung ihres Eß- und Trinkgeschirrs übertragen. Hatte man sich angesteckt, bildeten sich zunächst an den Genitalien oder zuweilen auch an anderen Stellen des Körpers flache Hautgeschwüre. Darauf folgten Hautausschläge am gesamten Körper. Bis zu markstückgroße Hautknötchen, die von einer gelblich-dicken Borke überzogen waren, bildeten sich schließlich im Gesicht, an den Armen, den Beinen und am restlichen Körper. Erst nach Monaten pflegten sie unter Bildung von netzartigen Narben abzuheilen. Bei einigen Syphilis-Erkrankten jedoch begannen sie auch zu wuchern, zu zerfallen und tiefe fressende Geschwüre zu bilden.

Im dritten Stadium traten dann nach fünf, zehn oder noch mehreren Jahren Hirnerweichung, Rückenmarkschwindsucht, Lähmung der Gliedmaßen, Lungenzerfall, Herzmuskelerkrankungen, Leberschrumpfung, Gefäßerkrankungen, Schrumpfnieren, Geschwürbildungen an Magen und Darm, Geschwürbildungen am ganzen Körper und die Knochenzerstörungen auf. Dabei konnten sich die zerfressenen aufgetriebenen Knochen säbelartig krümmen. Wenn die Krankheit schließlich auf die Bänder und Sehnen übergriff, kam es sogar zu Spontanverrenkungen, die so große Schmerzen verursachten, dass viele Betroffene keinen anderen Ausweg mehr als den Selbstmord wussten.

Geholfen werden konnte den Erkrankten nicht. Nur der Tod erlöste die Leidenden.
Aber natürlich versuchte man zu heilen. Um 1500 gab es zwei Verfahren: Die Schmier- und die Holzkur. Bei der Schmierkur wurde der Erkrankte mit einer Quecksilber-Schweineschmalz-Emulsion eingerieben; bei der Holzkur benutzte man das teure, dunkle und schwere Guajakholz. Dessen geschabte Späne wurden zu Aufgüssen gebrüht, deren Schaum man zu Umschlägen verwendete. 1529 brachte Paracelsus die Holzkur in Verruf, sodass schließlich nur noch die Schmierkur angewendet wurde. Nach heutiger Sicht war das ein fataler Schritt, denn die Holzkur war mit einer zusätzlichen Schwitzkur verbunden gewesen, die zum Teil Erfolge erzielte.

Pocken

Schon lange Zeit im Orient bekannt, wurde sie im 15. Jahrhundert zu einer Massenkrankheit in Europa.
Zunächst war es eine Krankheit der Erwachsenen. Doch da sie so gut wie jedermann befallen konnte, und sie eine starke Immunität hinterließ, wurde sie bald zu einer Krankheit, die vor allem Kinder und ältere Personen befiel.

Bei jedem Hustenstoß des Kranken werden massenhaft Erreger ausgeschleudert und von anderen Personen eingeatmet. Neben diesem wichtigsten Infektionsmodus gibt es noch die Möglichkeit, durch eine Inhalation von Staub an den Pocken zu erkranken. Die Pocken sind auch deshalb so ansteckend, weil Pusteleiter an Kleidern und Bettzeug monatelang infektiös bleiben kann.
Nach einer 10-bis 15-tägigen Inkubationszeit treten die ersten Krankheitserscheinungen auf.
Die Krankheit beginnt mit plötzlichem hohem Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Nasenbluten, Schnupfen und Husten.
Pusteln beginnen sich im Gesicht, am Kopf, an den oberen Extremitäten und zuletzt an Unterschenkeln, Füßen und dem Rumpf zu bilden.

Die entzündeten Pusteln schmerzen und jucken. Der Erkrankte stinkt entsetzlich auf dem Höhepunkt der Infektion, denn die Pusteln sind mit Eiter gefüllt.
Die Pusteln werden zu Krusten und Schorfen, die nach dem Abfallen tiefe und hässliche Narben hinterlassen. Verläuft die Krankheit sehr schwer, dann sind oft Folgeschäden zu erwarten. Es können Augenschäden bis zur Erblindung auftreten, Taubheit, Lähmungen und Hirnschäden. Im schlimmsten Fall muss der Patient mit dem Tode rechnen.

Die schlimmsten Auswirkungen verursachten die Pocken in den neuentdeckten Gebieten unter den Indios.
Im Jahre 1517 z. B. schleppt ein spanisches Schiff die Krankheit nach San Domingo ein. Von dort aus verbreitet sich die Krankheit über Kuba und Mexiko in ganz Süd- und Nordamerika. Nach Nordamerika gelangt die Krankheit vor allem durch die zahlreichen Sklavenschiffe.
Wo die Krankheit neu war und die Menschen noch keine Immunität gebildet hatten, wüteten die Pocken entsetzlich. Nicht die Schwerter der Konquistadoren sorgten für das Sterben der Indios, sondern die eingeschleppten Krankheiten aus Europa.

Englischer Schweiß

Der englische Schweiß war eine neue Krankheit, die damals wie heute geheimnisumwittert ist. Man weiß, dass sie sich mit Herzklopfen, Herzschmerzen, begleitet von Kopfschmerz und Betäubung, und manchmal sogar mit Delirium, äußerte.
In einigen Beschreibungen ist auch von Hautausschlägen die Rede. Das Hauptmerkmal war der übelriechende Schweiß, der bald nach dem Einsetzen des Fiebers ausbrach.
Viele Kranke starben innerhalb kürzester Zeit, oftmals innerhalb eines Tages oder weniger Stunden.

Die Krankheit brach erstmals 1485 in England auf, im Heer König Heinrich VII. am Ende der Rosenkriege. Bald kam die Krankheit aufs Festland.
1528 trat die Krankheit erneut in London auf. Ende Juli 1529 zeigte sie sich in Hamburg und in anderen deutschen Städten an der Ostsee, bald auch in Königsberg, Danzig, in Lübeck und Bremen. Von dort aus ging es Richtung Süden.
Im Spätsommer erreichte sie Bayern. Im Frühherbst erkrankten in Augsburg innerhalb von 5 Tagen mehr als 100000 Menschen.
Sie kam bis in das Elsass und nach Marburg.

Es wird heute noch gerätselt, um welche Krankheit es sich genau beim englischen Schweiß handelte. Am wahrscheinlichsten ist eine abweichende Form von Influenza.
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